Das Geschäftsjahr 2010/11: Hohe Nachfrage sorgt für Vollauslastung und Umsatzsteigerung

14.09.2011 | TRIMET ALUMINIUM AG, Essen Mit einem um 61 Prozent auf 1.401 Mio. Euro (Vorjahr 870,7 Mio. Euro) gestiegenen Umsatz hat die TRIMET ALUMINIUM AG, Essen, ihr Geschäftsjahr 2010/2011 (1.7./30.6.) abgeschlossen. Der Jahresüberschuss des größten deutschen Aluminiumproduzenten hat sich trotzdem von 28,6 Mio. Euro im letzten Geschäftsjahr auf 23,7 Mio. Euro reduziert. Neben außerordentlichen Ergebniseffekten trug zu dieser Entwicklung auch die Situation auf dem Energiemarkt in Folge der Ereignisse in Fukushima bei.

Man sei inzwischen „mitten im Aluminium-Zeitalter“, heißt es bei TRIMET. Der Vorstand erwartet auch in den kommenden Jahren eine stark steigende Nachfrage nach dem leichten Metall. Der anstehende Ausbau der deutschen Stromnetze um mehr als 4.500 Kilometer – die Hochspannungsleitungen sind aus Aluminium – der Trend zu immer mehr Aluminium im Automobilbau und die Unternehmen der Solar- und Windenergie sorgen für den weiteren Schub. So stieg die Produktion im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/2011 auf knapp 500.000 Tonnen recyceltes und primär erzeugtes Aluminium, wobei die Gießerei in Essen erstmals in ihrer Geschichte mehr als 240.000 Tonnen Formate abgegossen hat. Die Zahl der Mitarbeiter bei der TRIMET ALUMINIUM AG erhöhte sich auf 1.592. Insgesamt 117 junge Menschen befanden sich im Geschäftsjahr 2010/11 in einer Ausbildung im TRIMET-Konzern, der nun mehr als 1.900 Beschäftigte hat. Sie arbeiten an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Hamburg, Harzgerode, Meschede, Sömmerda und Turin in insgesamt vier Handelsbüros, zwei Aluminiumhütten, einer Formategießerei, zwei Recyclingwerken sowie einem Druckgusswerk und einem Druckguss- und Kokillengusswerk.

Die gute Finanzlage des nicht börsennotierten Familienunternehmens TRIMET ALUMINIUM AG zeichnet sich durch solide Kennzahlen aus: Die Eigenkapitalquote beträgt 39,1 Prozent (Vorjahr 40,5 Prozent). Das Eigenkapital stieg absolut von 210,1 Mio. Euro auf nun 227,8 Mio. Euro. Die gute Eigenkapitalbasis und eine breite Basis an Finanzierungspartnern erlauben es dem Unternehmen, in volatilen Märkten flexibel zu agieren und auch Gelegenheiten für weitere Expansion zu nutzen. Die Gesellschaft hat im Geschäftsjahr erstmals ein Schuldscheindarlehen begeben, das im Markt sehr gut angenommen wurde. Die liquiden Mittel liegen mit einem Betrag von 59 Mio. Euro auf einem hohen Niveau. Das Sachanlagevermögen wird mit 143 Mio. Euro (Vorjahr: 138 Mio. Euro) ausgewiesen. Die Investitionen wuchsen auf 31,5 Mio. Euro.

Erfreuliche Entwicklung in allen Bereichen

Organisiert in den vier Unternehmensbereichen Primary Products, Recycling, Automotive sowie Marketing & Sales, hat sich TRIMET weiter gut entwickelt. Die während der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise gedrosselten Produktionsvolumina der Hütten in Essen (Kapazität 170.000 Jahrestonnen) und Hamburg (Kapazität 130.000 Jahrestonnen) konnten bereits im Sommer 2010 wieder hochgefahren werden. Alle Geschäftsbereiche haben zum Umsatzzuwachs beigetragen, wobei neben dem Mengenzuwachs auch die Marktpreisentwicklung bei Aluminium umsatzsteigernd gewirkt hat.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden die Kapazitäten in Gelsenkirchen um 50 Prozent und in Harzgerode um 25 Prozent durch Investitionen in mehr Schmelzleistung erhöht. TRIMET rechnet insbesondere auch im Recyclingbereich mit weiteren Umsatzzuwächsen. Es sei abzusehen, dass die Nachfrage nach Aluminiumlegierungen auch künftig starke Wachstumsraten verspricht. Umso wichtiger ist die kundennahe Produktion von Primäraluminium.

Zur erfreulichen Entwicklung des Automotive-Gussbereichs hat im abgelaufenen Geschäftsjahr die Zusammenarbeit mit der deutschen Automobilindustrie beigetragen. Der Handelsbereich arbeitet eng mit den drei produzierenden Geschäftsbereichen zusammen und trägt mit 29 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Die zum 1. April 2010 übernommene Metallversorgung für die deutschen und französischen Standorte der Honsel AG besteht mit den Nachfolgeunternehmen unverändert fort.

Intensive Forschung und Entwicklung

TRIMET baut seine Kompetenzen in der Entwicklung neuer Werkstoffe weiter aus. Zu diesem Zweck wurde eine Forschungs-Homogenisierungsanlage gebaut und in Betrieb genommen. Diese Anlage ermöglicht es, Aluminiumbarren in einer Länge von bis zu 2.000 Millimeter mit variablen Aufheiz– und Abkühlparametern einer definierten Wärmebehandlung zu unterziehen. Damit kann nun der gesamte Produktionsprozess der Formategießerei im Technikumsmaßstab abgebildet werden.

Die Werkstoffentwicklung nahm auch im abgelaufenen Geschäftsjahr einen breiten Raum ein, und dies immer in enger Kooperation mit unseren Kunden. Schwerpunkte lagen bei Projekten zur Verbesserung des Duktilitätsverhaltens bei Strukturbauteilen bei minimierter Wärmebehandlung, der Erhöhung der Wärmeleitfähigkeit von Aluminiumlegierungen im Bereich Verbrennungsmotor, sowie der Entwicklung von korrosionsfesten Hochglanzlegierungen.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Gebiet der Energieoptimierung. Hierbei werden Prozesse in Gießerei und Elektrolyse auf Einsparpotentiale überprüft und Möglichkeiten zum wechselnden Einsatz unterschiedlicher Energieträger („Fuel Switch“) untersucht. Große Aufmerksamkeit gilt hierbei der Entwicklung von Verfahren zur Erhöhung der Prozessflexibilität. Auf diesem Gebiet werden mit der Universität von Auckland neue Wege beschritten und Technologien zur Prozessmodulation erarbeitet.

TRIMET ist für die Zukunft gerüstet

Dank der Qualität seiner Vernetzung in die Märkte hat TRIMET als größter deutscher Aluminiumproduzent auch qualitativ die besten Voraussetzungen für eine gute Weiterentwicklung in den kommenden Jahren. Vorstandsmitglied Dr. Martin Iffert: „Als Ausgangspunkt einer hoch technologisierten Wertschöpfungskette liefern wir Speziallegierungen für höchste Ansprüche und zahlreiche Anwendungsbereiche, nicht zuletzt für solche der Energieeinsparung. Hiesige Automobilzulieferer und Automobilwerke, die um energieeffiziente und damit leichtere Automobile bemüht sind, zählen in erheblichem Umfang zu unseren Kunden. Immer wichtiger werden außerdem die Produzenten von Windkraft- und Photovoltaikanlagen, mit deren Hilfe die Energiewende umgesetzt werden soll.

Deren zusätzlicher Bedarf an Aluminium ist riesengroß, gleiches gilt auch für den erforderlichen Netzausbau. Schon heute dienen die Produkte, die aus Aluminium bevorzugt gefertigt werden, in erheblichem Maße der Energieeffizienz und machen unsere Aluminiumproduktion zu einer sehr sinnvollen und umweltfreundlichen Investition in eine nachhaltig gestaltete Zukunft. Daran wollen wir gerne weiter arbeiten.“ Bedingung dafür ist, dass die Politik durch rasche Entscheidungen die Wege frei macht, dass stromintensive Unternehmen wie die TRIMET ihre Energie künftig zu wettbewerbsfähigen Preisen beziehen können. Im abgelaufenen Geschäftsjahr war die Entwicklung gegenläufig: Nach der Abschaltung der ersten sieben Kernkraftwerke hat sich die ohnehin schon mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Strompreise noch einmal verschlechtert.

Die Politik bleibt gefordert. Die Bundesregierung hat der stromintensiven Industrie in den letzten Monaten erfreulicherweise die klare Zusage gemacht, geeignete Maßnahmen für die Gleichstellung der deutschen energieintensiven Industrie mit den europäischen Wettbewerbern in Kraft zu setzen. Hierbei sind im Wesentlichen zwei Lösungsansätze ausschlaggebend: Zum einen muss der Beitrag abschaltbarer industrieller Lasten für eine gesicherte Energieversorgung in Deutschland in angemessener, d.h. in vergleichbarer Höhe wie bei den europäischen Nachbarn vergütet werden. Zum anderen muss es eine Regelung geben, nach der die stromintensive Aluminiumherstellung von den CO2-Kosten im Strompreis befreit wird. Die Bundesregierung ist im Frühsommer mit einem Vorschlag in Brüssel vorstellig geworden. Jetzt gilt es, die formulierten Empfehlungen in ein europäisches Regelwerk umzusetzen.

Die TRIMET ALUMINIUM AG ist mit einer Kapazität von über 500.000 Tonnen größter Aluminiumproduzent in Deutschland. An sieben Standorten in Deutschland beschäftigt die TRIMET-Gruppe rund 1.900 Mitarbeiter und vermarktet, produziert, recycelt und gießt kundenspezifische Legierungen und Druckgussteile aus einer Hand; der Jahresumsatz lag im Geschäftsjahr 2010/2011 bei 1,4 Mrd. Euro.

Von: Mathias Scheben

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