TRIMET erwartet profitables Wachstum und investiert in Technologie und Bildung

(v.l.): TRIMET Vorstandsmitglied Martin Söffge und TRIMET Vorstandsvorsitzender Dr. Martin Iffert im Gespräch mit Journalisten(v.l.): TRIMET Vorstandsmitglied Martin Söffge und TRIMET Vorstandsvorsitzender Dr. Martin Iffert im Gespräch mit Journalisten

21.09.2012 | Mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,4 Milliarden Euro) hat die TRIMET ALUMINIUM AG das Geschäftsjahr 2011/2012 (01.07./30.06.) abgeschlossen. Der leichte Umsatzrückgang ist allein auf die zeitweise niedrigeren internationalen Aluminiumpreise zurückzuführen. Tatsächlich konnte TRIMET vor allem in den Bereichen Automotive und Recycling zulegen und produzierte rund 500.000 Tonnen recyceltes und primär erzeugtes Aluminium sowie Gussprodukte. An seinen acht Standorten beschäftigte das Unternehmen im Jahresdurchschnitt rund 1.900 Mitarbeiter, davon 110 Auszubildende. Trotz guter Auftragslage schloss TRIMET das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Verlust von 44,4 Millionen Euro ab. Die Eigenkapitalquote des mittelständischen Aluminiumproduzenten von 37,2 Prozent bildet jedoch weiterhin eine gute Basis für die Geschäftsentwicklung. Aufgrund der stetig wachsenden Nachfrage nach Aluminium erwartet das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr die Rückkehr zu profitablem Wachstum.

Das negative Geschäftsergebnis ist hauptsächlich auf Stromlieferverträge aus der Phase nach der Katastrophe von Fukushima im Frühjahr 2011 zurückzuführen. Nach der abrupten energiepolitischen Wende ging TRIMET entsprechend den allgemeinen Markterwartungen von weiter steigenden Strompreisen aus. „Dagegen haben wir uns abgesichert. Die Versicherungsprämie hat sich angesichts des später fallenden Preises als teuer herausgestellt. Die Stromkostenbelastungen haben erstmals in der Unternehmensgeschichte zu einem Verlust geführt“, sagt Dr. Martin Iffert, Vorstandsvorsitzender der TRIMET.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Iffert die Rückkehr zu profitablem Wachstum. Der zunehmende Bedarf an Aluminium, vor allem im Transportsektor und im Energiebereich, gebe der deutschen Aluminiumindustrie einen kräftigen Schub. „Im Automobilbau ist der Trend zum Leichtmetall Aluminium ungebremst. Durch den anstehenden Ausbau von Stromnetzen und erneuerbaren Energieträgern besteht allein in Deutschland bis 2020 ein zusätzlicher Bedarf von einer Million Tonnen Aluminium“, so Iffert. Für die heimische Produktion und für die nachgelagerten Bereiche in der industriellen Wertschöpfungskette liegt damit ein erhebliches Potenzial vor.

Erweiterung des Produktportfolios zur Deckung der steigenden Nachfrage

Um die Nachfrage zu bedienen, hat das Familienunternehmen seine Produktionsanlagen erweitert und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. In den Ausbau der Produktionskapazität und neue Technologien investierte die TRIMET Gruppe im Geschäftsjahr 2011/2012 mehr als 40 Millionen Euro. Allein am Standort Hamburg errichtete das Unternehmen für 25 Millionen Euro einen neuen Anoden-Brennofen und schuf 50 Arbeitsplätze. Kohlenstoff-Anoden werden bei der Herstellung von Primäraluminium benötigt. Die neue Anlage erhöht die Jahreskapazität der Anodenproduktion von 70.000 auf 120.000 Tonnen und verringert den spezifischen Erdgasverbrauch bei der Herstellung der Anoden erheblich. Gleichzeitig wird die Qualität der Anoden deutlich verbessert, was der Aluminiumherstellung in den Elektrolyseöfen der TRIMET zugutekommt. Im August dieses Jahres nahm im Essener Werk eine neue Masselgießanlage ihren Betrieb auf. Hier werden künftig bis zu 35.000 Tonnen Aluminiumlegierungen pro Jahr abgegossen. Zunehmend kommen dabei innovative Legierungen zum Einsatz, die TRIMET gemeinsam mit ihren Kunden für spezialisierte Anforderungen entwickelt. Das Unternehmen folgt mit der Erweiterung der Gießerei dem steigenden Bedarf an seinen Leichtmetall-Spezialitäten und erweitert das kundenspezifische Produktportfolio einmal mehr.

Im laufenden Geschäftsjahr baut TRIMET ihren Automotivebereich weiter aus. Im Werk Harzgerode plant das Unternehmen derzeit in Kooperation mit einem Kunden aus der Automobilbranche eine Erweiterung der Kokillengießanlage. „Der Ausbau ist nötig, um die steigende Nachfrage nach Fahrwerksteilen zu bedienen. Gleichzeitig entwickeln wir damit unsere Produktionstechnologie weiter, stärken den Standort und schaffen neue Arbeitsplätze“, so Iffert.

Investition in Aus- und Weiterbildung für nachhaltigen Unternehmenserfolg

Der steigenden Nachfrage nach spezialisierten Produkten trägt das Unternehmen durch weitere Maßnahmen der Mitarbeiterqualifizierung Rechnung. Das Qualifizierungsprogramm TRIQUALI bindet alle Mitarbeiter systematisch an einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, der sämtliche Produkte, Verfahren und Strukturen ständig optimiert. „Der Trend der Spezialisierung und Differenzierung in der Aluminiumindustrie setzt beim Hersteller eine beständige Entwicklung voraus. Deshalb setzen wir nicht nur auf Technologiesprünge, sondern vertrauen der kontinuierlichen Verbesserung. Den Mitarbeitern kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu“, sagt TRIMET Vorstandsvorsitzender Iffert. Bis Ende 2014 werden im Rahmen von TRIQUALI mehr als 900 Mitarbeiter in zahlreichen Workshops geschult. Das Programm wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen der Initiative „weiter bilden“ aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert. Die umfassenden Weiterbildungsmaßnahmen für alle Mitarbeiter des Unternehmens werden unter dem Dach der TRIMET Akademie gebündelt. Eine zentrale Säule bildet die Förderung von Nachwuchs- und Führungskräften. Eine Promotion oder die Teilnahme an einem MBA-Programm gehören unter anderem zu den maßgeschneiderten Zusatzqualifikationen.

Politik sendet ermutigende Signale

Im Hinblick auf die Investitions- und Planungssicherheit angesichts der Energiewende gibt sich der mittelständische Aluminiumproduzent zuversichtlich. Für die notwendigen Weichenstellungen zur Schaffung wettbewerbsgerechterer Rahmenbedingungen sende die Politik inzwischen ermutigende Signale. Von Januar 2013 an sollen energieintensive Unternehmen für die CO2-Kosten im Strompreis eine Kompensation von rund 70 Prozent erhalten. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, es besteht aber weiterhin Handlungsbedarf“, so Iffert. Trotz Entlastung zahle TRIMET jährlich Stromzusatzkosten in Höhe von rund zehn Millionen Euro, unter anderem zur Förderung der erneuerbaren Energien. Diese Kostenbelastung sei im internationalen Vergleich einzigartig. „Deshalb setzen wir darauf, dass die Bundesregierung die geplante Abschaltregelung endlich umsetzt, die den Beitrag energieintensiver Unternehmen zur Netzstabilität wie in anderen europäischen Ländern anerkennt und vergütet“, sagt Iffert. Auf Anforderung des Netzbetreibers können die Produktionsanlagen von TRIMET kurzfristig abgeschaltet werden. Das Unternehmen trägt damit maßgeblich zur Stabilisierung der Stromnetze und zur Verhinderung von Blackouts bei.

Energiewende: TRIMET entwickelt virtuellen Stromspeicher

Darüber hinaus stellt sich TRIMET den Herausforderungen der Energiewende durch die Entwicklung einer virtuellen Batterie in ihrem Elektrolyseprozess. Die größte Hürde beim Ausbau erneuerbarer Energieträger als Ersatz für konventionelle Kraftwerke besteht in der immer weniger steuerbaren Erzeugungsmenge bei weitgehend fehlenden Stromspeichern. TRIMET entwickelt zurzeit in Zusammenarbeit mit internationalen Forschungsinstituten ein Modell, das den Strombedarf des Produktionsprozesses an eine schwankende Stromversorgung anpasst. Die Aluminiumelektrolyse wird dabei als virtueller Energiespeicher genutzt, der die fluktuierenden Strommengen aus erneuerbaren Energiequellen integriert. „Um Stromversorgung und Produktion zu synchronisieren, haben wir die Grundlagen der Aluminiumherstellung hinterfragt und in der Flexibilisierung des Produktionsprozesses die Lösung gefunden“, erklärt Iffert. „Unser Modell belegt, dass ökologische Stromerzeugung und industrielle Wertschöpfung Hand in Hand gehen können. Das müssen sie auch. Nur so wird die Energiewende ein Erfolg und sichert die Grundlagen unseres Wohlstands.“
 

Von: Monika Jakubczyk

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